In einem jahrzehntelangen Leben mit Hunden ereignet sich manche auch skurrile Begebenheit mit den geliebten Vierbeinern. Hier stelle ich ein paar witzige und dramatische Situationen dar, die sich - ich schwöre- so zugetragen haben:

 

Bascos Abenteuer

 

Aber es begab sich zu der Zeit, da meine erste Hündin Jessica ihre Jungen großzog. Ihr erstgeborener Basco, gerade sieben Wochen alt, war besonders vorwitzig.

Auf einem der ersten Ausflüge in die freie Natur gingen wir einen Feldweg entlang, der von einem ausgetrockneten Graben begleitet wurde. Unter einer mit Erde aufgeschütteten Ackereinfahrt lief der Graben in einem engen Rohr weiter. Basco konnte es nicht lassen, in die fünf Meter lange Röhre hineinzukriechen, in die nur gerade ein Welpe hineinpaßte.

Mittendrin erscholl plötzlich ein klägliches Wimmern und Schreien, das nicht mehr von der Stelle kam. Ich versuchte, einen Blick in das Dunkel zu werfen und erkannte nur eine Bewegung in unerreichbarer Entfernung. Offenbar war der Welpe mehrere Meter vom Ausgang entfernt stecken geblieben und kam nicht mehr vor und zurück. Jessica steckte ihre Nase von der anderen Öffnung her hinein und konnte doch nicht zu Hilfe kommen.

Die Situation war dramatisch. Sollte ich die Feuerwehr zu Hilfe rufen? Der Welpe war echt in Bedrängnis.

Doch nach gefühlten zehn Minuten verschob sich das Gewimmer und bald erschien Basco am anderen Ausgang. Er hatte sich Gott sei Dank durchwühlen können.

Und was machte der verrückte Kerl? Kehrt Marsch und die ganze Röhre retour. Aber er hatte sich wohl einen Durchgang geschaffen, durch den er mit kurzem Gestrampel weiter kam und bald am Eingang zum Vorschein kam.

Jessica nahm ihre Erziehungsaufgabe ernst und disziplinierte ihren Sohn mit einer Ablegeübung, indem sie ihn immer wieder auf den Boden drückte. Doch es war wie Flöhe hüten, denn währenddessen tanzten ihr die anderen Welpen auf der Nase herum. So bald sie sich einem Geschwister zuwandte, sprang Basco wieder auf. Der Erziehungserfolg blieb gering.

 

Wuschel und die Ratte

 

Ich kam gerade mit meinem Schäferhund- Mix Wuschel am Fahrrad zurück nach hause. Meine Schwägerin, die auch im Hause wohnte, stand im Vorgarten. Da-  hatte ich am Ende zu viel getrunken?-  krabbelte auf ihrer Schulter eine ausgewachsene Ratte herum!

Entweder war auch Wuschel betrunken oder die Ratte war echt, denn wie ein Wahnsinniger riß er mich mit dem Rad um und sprang Friederike an und warf sie um, um das Monster von ihrer Schulter zu holen. Doch der Nager konnte mit einem beherzten Sprung entkommen und irgendwie hatte ich den Hund ja noch an der Leine und konnte ihn auf dem Boden als Bremsanker liegend an der weiteren Verfolgung hindern.

Langsam zur Besinnung kommend erfuhr ich den Hintergrund. Als Mitarbeiterin des Jugendamts hatte sie zwei Ausreißerinnen unter ihre Fittiche genommen, um sie zurück nach hause zu expedieren. Eine von ihnen besaß eine zahme Ratte, die Friederike an sich genommen und auf ihre Schulter gesetzt hatte. Bevor bei den Mädchen Tränen flossen, ließ sich das Haustier wieder unverletzt einfangen.

Wer kann selbst im Alptraum so eine Situation vorherahnen?

 

Alptraum einer Maus

 

Es war im Winter im Schnee, spät abends auf der letzten Gassirunde mit Doreen und dem neu hinzugekommenen Welpen Teddy Sue. Eine Maus mit Winterschlafstörungen rannte über das Weiß. Für Teddy Sue das gefundene Spielzeug. Sie patschte mit den Pfoten auf den armen Nager, der in der Umgebung keinen Unterschlupf fand und um sein Leben rannte. Sie hätte die Maus mehrfach totbeißen können, doch sie spielte nur wie eine bereits gesättigte Katze, brach dem armen Opfer fast das Rückgrat und ließ es doch wieder davonrennen.

Doreen in ihrer Altersweisheit und - faulheit hatte sich mittlerweile zu einem Nickerchen zusammengerollt, solche Jagdszenen interessierten sie nicht mehr.

Schließlich erreichte die Maus den einzigen Schutz, der verfügbar war und versteckte sich ausgerechnet unter Doreens Bauch, die sich davon nicht im Mindesten aus der Ruhe bringen ließ.Sue suchte noch eine Weile und gab dann auf. Wir gingen schließlich weiter, anscheinend hatte sich die Maus im Schnee eingewühlt.

Hundert Meter weiter piepte es plötzlich unter Doreens Bauch wie von einer Maus. Sue wurde fast verrückt, hörte sie doch ihre Beute und konnte sie doch nicht finden. Schließlich fiel der verstörte Nager aus Doreens Fell heraus, in dem er sich die ganze Zeit festgekrallt hatte und konnte davoneilend einen Unterschlupf finden, bevor Sue ihn erneut erwischen konnte.

Ein Mensch, einer solchen Situation ausgesetzt, benötigt sicher monatelange Sitzungen beim Psychiater, um mit seinem Leben wieder klarzukommen. Für die Maus ist es der tägliche Überlebenskampf.

Astas Selbstmordversuch

Es war im Frühjahr 2018. Wir waren auf einer Wanderung in Südfrankreich, in dem aus der Provence aufragenden Gebirgszug Montagne de Luberon. Der Weg führte schmal und steil durch eine Felsenformation oberhalb eines urwaldartig bewachsenen Tals.

Irgendetwas muß unten gewesen sein, Wild vielleicht. Urplötzlich riß Asta an der Leine und da ich nicht darauf gefaßt war, verlor ich sie aus der Hand. Der Hund sprang blindlings über die Kante in den Abgrund. Die Felswand war nicht ganz senkrecht, doch ca. zwanzig Meter hoch und so steil, daß Asta sich darauf nicht hatte halten können und sowieso unmöglich zurückklettern konnte. Unter mir sah ich nur Dschungel, von der Hündin keine Spur.

Ein paar hundert Meter weiter fand ich einen schmalen Felsensteig, der ins Tal hinabführte. Mit Sue, die ja bei mir geblieben war, kraxelte ich hinab. Wir drangen in das Dickicht vor, in dem man nur wenige Meter weit sehen konnte und ständig die Äste beiseite biegen mußte, um überhaupt durchzukommen. Mein Wandernavi, zum Glück mit genauer Kartenbasis, war die einzige Orientierung. Doch es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis wir in etwa die Position unter der Absturzstelle erreicht hatten.

Hätte Asta nur auf meine dauernden Rufe reagiert, ein kurzer Beller hätte mir eine Peilung gegeben! Doch alles blieb still. Ich bekam die Panik, sie könnte dort schwer verletzt liegen. Wie hätte ich sie kilometerweit durch den Urwald zurücktragen können? Die Büsche standen so dicht, daß ich drei Meter an ihr hätte vorbeilaufen können, ohne sie zu bemerken.

Endlich, ich war mir nicht sicher, war da vielleicht ein kurzes Fiepen zu hören. Doch Sue war sich sicher und strebte plötzlich gezielt in eine Richtung. Zwei Minuten später wäre ich, einige Zweige auseinanderbiegend fast auf Asta getreten. Ihre hinterhergeschleppte Leine hatte sich an einem Busch verfangen und da saß sie nun gottergeben und wartete darauf, daß ein Wunder geschehen und Herrchen sie retten würde. Ein Wolf hätte sicher gekämpft, die Leine zerbissen, um loszukommen. Der Hund vertraut stets darauf, der Mensch wird es schon richten.

Sie hatte eine kleine Platzwunde über dem Auge, doch als wir uns den Weg zurück bahnten, kam sie ohne zu humpeln mit. Gott sei Dank! Es hätte auch schlimmer ausgehen können.